Ein Fotograf ist ja irgendwie immer auf der Suche nach tollen Locations. Orte mit dem gewissen Etwas für ein tolles Shooting. Darum versuche ich immer, die Augen offen zu halten.

Wenn ich dann etwas erspähe mache ich meistens direkt einen Schnappschuss mit dem Handy. Je nach dem, wieviel Zeit ich habe gerne auch mehrere, aus verschiedenen Winkeln. Das sind dann garkeine künstlerisch wertvollen Fotos. Eigentlich geht es mir ausschließlich darum, dass ich Bilder der Location mit korrekten GPS- und Zeitinformationen habe. Zuhause angekommen mache ich mir manchmal noch ein paar Notizen dazu, etwa was für Musik ich dabei gehört habe oder an welches meiner Pinterest-Moodboards ich dabei direkt denken musste. Und dann wird das ganze sortiert und katalogisiert. Dafür benutze ich dann Google Fotos, Google Maps und Pinterest. So baue ich mir sozusagen meine kleine Datenbank auf, um schnell passende Locations parat zu haben, wenn es bei einem anstehenden Shooting konkreter wird. Abgesehen davon, kommt es natürlich auch besser beim Model an, wenn man nicht absolut planlos unterwegs ist.

Steht ein Shooting mit einem Pärchen an, die vielleicht totale Irland-Fans sind, durchsuche ich meine Location-Datenbank zum Beispiel anhand der Schlagworte “Gräser, Baumlos, Weite, 35mm” und finde schnell ein paar Plätze, die sich gut eignen könnten. Nun mache ich mir noch ein paar Gedanken zur Jahreszeit und zur Lichtstimmung, je nach dem wann wir uns zeitlich verabredet haben. Dazu schaue ich mir noch die passenden Moodboards auf Pinterest an und fertig.

Beides, die Location (vielleicht mit ein paar Fotos) und die Links zum Moodboard schicke ich dann dem Pärchen zu und warte auf Rückmeldung. Die Reaktion schwankt übrigens immer zwischen absoluter Begeisterung oder verhaltenem Argwohn.

Da es sich bei Fotografie viel um Licht dreht, ist es hilfreich sich auch bei der Location die Lichtverhältnisse anzuschauen. Mit etwas Übung erkennt man dann auch schnell das verborgene Potential einer Location, die sich einem vielleicht nicht auf den ersten Blickt erschließt. Ich schaue zum Beispiel immer wie die Sonne verlaufen würde (dafür gibt es übrigens auch Apps). Besondere Aufmerksamkeit verdient natürlich die Flora. Jeder weiss, dass die Lüneburger Heide sich nicht das ganze Jahr für die gleiche Art von Bildern eignet. Kirsch- oder Rhododendronblüte sind auch gute Beispiele. Was nicht heisst, dass die Location nur zu dieser Jahreszeit brauchbar ist. Im Gegenteil – vielleicht will ich die Landschaft der Lüneburger Heide ja ohne blühendes Heidekraut haben. In der Stadt schaue ich mir die umliegenden Gebäude an. Könnte es möglicherweise zu Reflektionen zu bestimmten Zeiten kommen, ist da eine große, weiße Wand die das Licht gut reflektiert oder eine schwarze, die es schluckt. Sind zu bestimmten Uhrzeiten vermutlich viele Menschen unterwegs und zu anderen fast keine?
Und natürlich schaue ich auch, was es eben sonst so interessantes an Objekten und Architektur gibt oder bestimmte Farben dominieren.
Zuguterletzt stelle ich mir dann die Frage, ob denn überhaupt fotografiert werden darf oder ich dafür das Einverständnis einholen muss.

Gedanken mache ich mir manchmal auch gleich zur passenden Brennweite. Bei einigen Locations mag es völlig egal sein und lässt sich dann spontan entscheiden. Aber es gibt auch Locations, bei denen ich das Drumherum nicht will, dann ist es für mich ein 85mm-Spot. Und sollte ich das gewünschte Ergebnis bei dieser Location ausschließlich mit einem Weitwinkel-Objektiv erreichen können, wäre es eben ein 35mm-Spot. Das ist aber vielleicht für die Landschaftsfotografen unter euch interessanter als bei Portraits. Finde ich zum Beispiel ein super Platz, um die Altstadt von Dubrovnik von oben zu fotografieren und habe kaum Platz mich zu bewegen, dann würde ich eben direkt das Stichwort 35mm hinzufügen.

Gerade hierfür braucht man einen geschulten Blick. Aber der kommt mit der Zeit.