Die Suche nach der “perfekten” Location für ein Shooting kann ja schon ziemlich zeitraubend sein. Aber besonders nervig wird es, wenn man sich beim Betrachten der fertigen Bilder dann fragt, warum man sie nicht einfach am verwilderten Feldweg am Ortsausgang gemacht hat. Zwei Gehminuten von der eigenen Haustür entfernt.

Je nach Tageszeit und Perspektive wirkt dieser mindestens genauso verwunschen, wie das kleine Wäldchen abseits der Bodefälle bei Braunlage. Und bevor ich an den Oderteich im Harz fahre, kann ich ja genauso gut zum Rabbensee bei mir um die Ecke. Bei den meisten meiner Bilder spielt die Location doch ohnehin nur eine Nebenrolle, daher möchte ich mich auch nicht allzusehr auf sie fokussieren. Und wenn man nur mit offenen Augen durch die eigene Stadt läuft und seinen Blick dabei etwas schärft, kommen einem schnell kreative Gedanken, die dann nur noch umgesetzt werden müssen.

Wer sich damit schwer tut, dem empfehle ich sich einfach mal die Stöpsel ins Ohr zu stecken, eine stimmungsvolle Playlist anzuschmeissen und ein wenig “ziellos” durch ein Viertel zu spazieren. Einfach mal rechts und links schauen, die die Vorgärten und Hinterhöfe und auch einfach mal bei dem Haus mit der bröckeligen Fassade rechts vom Lidl rechts in diesen kleinen Trampelpfad abbiegen. Manchmal findet man regelrechte Stimmungs-Oasen. Natürlich hilft es dabei auch gleich ein wenig “fotografisch zu sehen”.

Aus der runtergekommenen Garage mit dem Loch in der Wellpappe in der Decke wird plötzlich ein Lostplace, in den diffus das Licht von oben einfällt. Aus der grün bewachsenen Mauer neben dem Parkplatz das Schloss von Dornröschen. Das Licht der Neonröhren im Schaufenster und die nächtliche Kreuzung im Hintergrund könnte mit etwas Bokeh wirken, als würde man ein Shooting in Tokyo machen.

Um solche Orte zu finden kann man sich auch zwingen, “gegen den Strom” zu gehen. Zur malerischen Altstadt am Hafen geht es da hinten rechts, dann gehe ich links.

Wenn man möchte, macht man sich dann auch gleich noch ein paar Schnappschüsse mit dem Handy und importiert die dann zuhause auf seinen Computer. Manchmal bin ich dann selbst erstaunt wie anders das Foto dann plötzlich zuhause erstmal wirkt. Ich rufe mir ins Gedächtnis was für ein Lied dabei gerade lief, was ich gedacht habe, in welcher Stimmung ich war. Kurzum, ich mache mir nochmal Gedanken, warum ich genau hier den Auslöser gedrückt habe. Dann versuche ich kurz dem Bild die Stimmung zu geben. Den passenden Look. Nur einfach mal probieren, ob es wirkt.